Das IoT von Evrythng
Evrythng verbindet physische Produkte über digitale Identitäten mit einer Datenplattform. Ein Produkt erhält beispielsweise einen Code auf seiner Verpackung, über den Informationen und Ereignisse zugeordnet werden können. Der Name bezeichnet dabei eine Plattform und deren Unternehmen, keinen Funkstandard wie LoRaWAN.
Für die heutige Einordnung ist die Unternehmensgeschichte wichtig: Digimarc schloss die Übernahme von EVRYTHNG am 3. Januar 2022 ab. Wer nach der früher eigenständigen Marke sucht, sollte daher auch die entsprechenden Produkt- und Plattformangebote von Digimarc berücksichtigen. Ältere Beschreibungen von Standorten oder Partnerschaften sind nicht automatisch ein aktuelles Unternehmensprofil.
Die Mission von Evrythng
Evrythngs Ansatz ist, Produkte über ihren Lebenszyklus hinweg digital zuzuordnen. Statt nur einer Produktkategorie kann auch ein einzelner Artikel eine eigene Identität erhalten. Damit lassen sich erfasste Informationen aus Herstellung, Logistik, Verkauf oder Nutzung zusammenführen.
Die Verbindung entsteht beispielsweise über QR-Codes, NFC oder andere maschinenlesbare Kennzeichnungen. Digimarc beschreibt diesen Ansatz anhand von GS1 Digital Link: Produktkennungen können mit Webadressen und digitalen Diensten verbunden werden. Welche Informationen nach einem Scan erscheinen, hängt von den hinterlegten Daten und der Anwendung ab.
Wichtig ist die Grenze zum aktiven Tracking. Ein aufgedruckter QR-Code sendet keine Standortmeldungen. Erst ein Scan oder ein anderweitig erfasstes Ereignis liefert neue Informationen. Aus einer digitalen Identität folgt deshalb keine lückenlose Echtzeitverfolgung eines Produkts.
Für Hersteller kann die Zuordnung helfen, Vorgänge entlang der Lieferkette nachvollziehbar zu machen. Verbraucher können beispielsweise Informationen zu Herkunft, Gebrauch oder Entsorgung abrufen. Beides setzt voraus, dass die Daten korrekt erfasst, aktuell gehalten und dem richtigen Produkt zugeordnet werden.
Wie Evrythng verschiedene Branchen beeinflusst
In der Modeindustrie kann eine digitale Produktidentität Angaben zu Materialien, Herkunft und Pflege zugänglich machen. Für einen Rücknahme- oder Wiederverkaufsprozess können dokumentierte Produktinformationen ebenfalls hilfreich sein. Ob solche Angaben vollständig sind, hängt von den beteiligten Unternehmen und ihren Datenquellen ab.
Im Einzelhandel lassen sich Ereignisse wie Wareneingang oder Verkauf einem Produkt zuordnen, wenn die jeweiligen Systeme diese Ereignisse erfassen und weitergeben. Ein Etikett allein weiß nicht, ob ein Artikel verkauft wurde. Dafür ist eine Verbindung zum Kassensystem, zur Warenwirtschaft oder einem anderen Erfassungsprozess nötig.
Bei Lebensmitteln können Scans auf Informationen zu Charge, Inhaltsstoffen oder Haltbarkeit führen. Für eine belastbare Rückverfolgbarkeit muss die Kennzeichnung zur richtigen Charge beziehungsweise zum einzelnen Produkt passen. Die Plattform ersetzt dabei nicht die Prüfung der eingegebenen Herkunfts- oder Qualitätsdaten.
Auch bei Luxusgütern kann eine digitale Identität eine Echtheitsprüfung unterstützen. Ein einfacher QR-Code lässt sich jedoch kopieren. Eine angezeigte Produktseite beweist deshalb für sich genommen nicht, dass das gescannte Stück echt ist. Dazu braucht es ein passendes Authentifizierungskonzept, etwa zusätzliche Merkmale und Prüfungen auf ungewöhnliche Scanmuster.
| Einsatzfeld | Möglicher Nutzen | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Mode | Produktinformationen und Pflegehinweise | Verlässliche Zuordnung und gepflegte Stammdaten |
| Lebensmittel | Informationen zu Charge und Herkunft | Erfasste Ereignisse entlang der Lieferkette |
| Einzelhandel | Verbindung von Produkt und digitalen Diensten | Anbindung an die betreffenden Systeme |
| Markenschutz | Unterstützung bei der Prüfung eines Produkts | Mehr als ein beliebig kopierbarer Code |
Partnerschaften und Kooperationen
Ein solches System benötigt mehr als eine Datenplattform. Verpackungsunternehmen, Kennzeichnungsanbieter und die IT der beteiligten Betriebe müssen zusammenarbeiten. Bereits beim Aufbringen einer Kennzeichnung muss feststehen, zu welchem Produkt sie gehört und welche Informationen später darüber abrufbar sein sollen.
EVRYTHNG nannte Avery Dennison RBIS in einer Mitteilung vom 15. August 2018 als Partner für digitale Produktidentitäten im Schuh- und Bekleidungsbereich. Das ist ein historischer Projektbeleg; eine unverändert fortbestehende Partnerschaft wird damit nicht belegt.
Ein belegtes Beispiel ist die von Digimarc dokumentierte Zusammenarbeit mit WestRock und EVRYTHNG. Der Fall beschreibt vernetzte Verpackungen und die Verbindung einer Produktidentität mit Daten in der Cloud. Er zeigt das Integrationsprinzip; daraus folgt keine Aussage, dass jede früher genannte Partnerschaft unverändert fortbesteht.
Ausblick
Für Unternehmen ist zunächst die Datenaufgabe zu klären: Sollen Verbraucher Informationen abrufen, interne Warenbewegungen nachvollzogen oder Hinweise auf Fälschungen erkannt werden? Diese Ziele benötigen unterschiedliche Daten und Prüfprozesse. Eine einzige Kennzeichnung kann mehrere Dienste anstoßen, wenn die Zuordnung und die Zugriffsregeln entsprechend gestaltet sind.
Bei der Auswahl sollten auch Datenexport, Schnittstellen und langfristige Pflege betrachtet werden. Ebenso relevant ist, welche Scan- oder Nutzungsdaten tatsächlich benötigt werden und wer darauf zugreifen darf. Der Mehrwert entsteht durch eine nachvollziehbare Verknüpfung, nicht durch möglichst viele gesammelte Informationen.
Schlussfolgerung
Evrythng steht für einen Ansatz, physische Produkte über digitale Identitäten in Anwendungen einzubinden. Das kann Transparenz und neue Services ermöglichen, bleibt aber von der Qualität der Daten und der Erfassung abhängig. Der Ratgeber zum Internet der Dinge erklärt, wie sich solche Plattformansätze von Sensoren, Funkverbindungen und Aktoren unterscheiden.